Eine offene sportbezogene Jugend- und Geflüchtetenarbeit ist in der derzeitigen Ausnahmesituation in gewohnter Weise nicht mehr möglich. Wie aber reagiert die RheinFlanke auf die Herausforderungen einer veränderten Ausgangslage? Antworten auf diese Frage geben die beiden RheinFlanke Mitarbeiterinnen Laura Mayer (Köln) und Anja Mayer (Berlin).

Die RheinFlanke hat ihre Arbeit komplett auf Mobiles Arbeiten von zu Hause aus umgestellt. Wie sieht denn derzeit Euer Arbeits-Alltag aus?

Laura: Durch die Umstellung auf Mobiles Arbeiten ist zunächst vor allem viel Koordination im Team und in den Projekten hinzugekommen: Wie organisieren wir uns? Wie können wir weiterhin bestmöglich für die Teilnehmer_innen da und erreichbar sein? Und: Arbeit und Privates verschmelzen zunehmend, da ich auch nach Feierabend eher mal auf das Diensthandy schaue…

Anja: Den Großteil meiner Tätigkeiten als Jobcoachin, z. B. Korrigieren und Anfertigen von Bewerbungsunterlagen oder Recherche von Stellenanzeigen, kann ich auch problemlos im Homeoffice erledigen. Was wegfällt sind die Sportangebote, Auswärtstermine, Besuche von Veranstaltungen. Die Zeit, die dadurch frei wird, benötige ich vor allem für die intensivere Betreuung und Beratung meiner Teilnehmenden in der aktuellen Situation.

Wie schafft ihr es, einen schnellen und bedarfsgerechten Austausch im Team sicher zu stellen?

Anja: Wir tauschen uns im Team praktisch täglich über Chat, E-Mail, Telefon und/oder Video-Calls aus. Das funktioniert sehr gut.

Laura: Und wir legen verstärkt To Do´s und Fristen fest, um die Qualität unserer Arbeit zu erhalten. Wir arbeiten jetzt auch stärker standortübergreifend – ein deutlicher Vorteil der Veränderung!

Aufgrund der derzeitigen Einschränkungen im öffentlichen Leben ist es ja nicht mehr möglich, mit den Jugendlichen im direkten persönlichen Kontakt zu stehen. Welche Maßnahmen hat die RheinFlanke bislang ergriffen, um die Unterstützung für die jungen Menschen aufrecht zu erhalten?

Laura: Wir treten noch proaktiver an die Teilnehmer_innen heran und klären auch über die aktuelle Situation auf. Wir geben vor allem das Signal, dass wir weiterhin für alle da sind! Was vorher im Büro bei Terminen lief, ist aber auch größtenteils über das Telefon und den Messenger möglich. Unser Selbstverständnis „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird gerade herausgefordert: Daher sind die Teilnehmer_innen gezwungen, noch mehr Eigeninitiative zu zeigen, was auch als Chance gesehen werden kann.

Anja: Und wir haben im RheinFlanke Team einen regen Austausch zum Thema „Digitale Angebote“. Je nach Arbeitsschwerpunkt und persönlicher Interessenslage formieren sich Untergruppen, z. B. zum Thema „Digitale Sportangebote“. Jede/r kann sich einbringen und kreativ werden. Das macht Spaß und bringt Abwechslung in den Homeoffice-Alltag.

Unterscheiden sich die Themen, mit denen jetzt die jungen Menschen auf Euch zu kommen von den sonstigen Themen in der persönlichen Beratung? Wenn ja, was ist anders?

Laura: Viele Menschen kommen mit den gleichen Anliegen, wie zuvor auch. Aufgrund der Umstände durch Corona sind wir als Berater_innen dafür übergegangen, den Fokus der Beratung zu verändern, flexibel zu sein.

Anja: Normalerweise geht es bei meinen persönlichen Beratungsgesprächen überwiegend um das Thema beruflicher Werdegang. Wir reflektieren gemeinsam an welcher Stelle sich der/die Teilnehmende gerade befindet und besprechen, welche(s) Ziel(e) wir verfolgen. Das mache ich jetzt auch.

Laura: Im Jobcoaching müssen wir allerdings umdenken, da sich aktuell die Wirtschaft und somit der Arbeitsmarkt verändert oder z. B. die Jobcenter nicht mehr geöffnet haben. Andere Menschen wiederum kommen direkt zu uns und fragen, wie es jetzt weitergeht, in der Zeit der Ungewissheit und ob sie überhaupt eine Arbeit/Ausbildung finden werden; wieder andere benötigen gute Informationen zum Corona-Virus aus seriösen Quellen.

Anja: Einen wesentlichen Anteil machen jetzt aber auch das Zusprechen von Motivation und Zuversicht und das regelmäßige Erkundigen nach der momentanen Befindlichkeit aus. Teilnehmende, deren Familie noch im Heimatland lebt und die noch kein soziales Netz hier in Deutschland haben, benötigen gerade viel „soziale Nähe“ via Handy.

Wie bewertet Ihr die aktuell – gezwungenermaßen – reine Nutzung von digitalen Medien im Kontext der sportbezogenen Arbeit und Beratung junger Menschen?

Laura: Im sportpädagogischen Kontext gibt es definitiv spürbare Auswirkungen. Aber mit digitalen Trainingsplänen, Mini-Challenges und eigenen Videos mit Übungen halten wir unsere Teilnehmer_innen bei „sportlicher“ Laune. Da sind wir RheinFlanke-übergreifend auch sehr gut im Austausch und kreativ. Im Jobcoaching hat sich nicht viel geändert, bis auf die Situationen der Unternehmen. Da sind wir aktuell noch dabei, herauszufinden, wie gerade die Einstellung für Lehrstellen oder die Bereitschaft/Voraussetzungen für ein Praktikum aussehen.

Anja: Ein Ausnahmezustand erfordert außerordentliche Maßnahmen. Das Gruppengefühl bei unseren Sportangeboten und den persönlichen Kontakt bei unseren Beratungsgesprächen werden wir durch digitale Medien nie ersetzen können. Trotzdem ermöglichen sie es uns gerade, unsere Teilnehmenden weiterhin zu betreuen und sie zu Sport und Bewegung zu motivieren, z. B. über unsere Clips die wir über unsere Social Media-Kanäle posten.